Monatsarchiv: Juli 2012

Unser dritter Tag in Brasilien:

Auch an diesem Tag trafen wir uns wieder in der Musikschule. Die Meisten waren anfangs etwas irritiert, als uns auch Brasilianer, die wir bis dahin erst einmal kurz gesehen hatten, mit “ein-Küsschen-und-Umarmung-Begrüssung” berguessten. Wie am Tag vorher besuchten wir die Workshops und gingen zur Kantine Mittagessen. Wir merkten, dass Brasilianer unheimlich gerne Reis und Bohnen, sowie verschiedene Sorten Fleisch essen, das gab es nämlich nun schon mehrfach. Eine Art Nationalgericht scheint es hier nicht zu geben, dafür kann man aber in Supermärkten Obstsorten kaufen, von denen man nie vorher gehoert, geschweige denn sie je gegessen hatte. Mangos und Bananen sind hier grösstenteils wesentlich intensiver im Geschmack als die, die man in Deutschland kaufen kann. Das meiste Süsse, dass es hier gibt (wie zum Beispiel Kuchen oder Limonade) schmeckt uns aber zu süss und künstlich.

In der Probe mit dem brasilianischen Orchester, die am Nachmittag stattfand, konnten wir den Komponisten Edmundo Villani-Cortes kennen. Er erklärte uns, was ihn dazu bewegt hat, die Stücke, die wir von ihm spielen (Djopoi und Abertura), zu komponieren und hörte uns dann beim Spielen zu.

Mit dem anderen Orchester zusammen zu spielen stellte sich als nicht sehr einfach heraus, da es sehr lange brauchen kann, bis 150 Musiker leise sind und auch das piano ist dann eher laut als leise.

Nach der Probe konnten wir aus den Bussen und Autos, die uns nach Hause brachten, wieder die Sonne untergehen sehen.

Erlebnisse und Erfahrungen aus den Gastfamilien:

Wir sind zu dritt bei der Flötenlehrerin Fernanda untergebracht. Sie spricht ein bisschen Deutsch, weil sie ein Jahr in Deutschland war. Wir wohnen im dritten Stock eines krankenhausgrünen, hohen Hauses im Norden von Sao Paulo in einer kleinen Wohnung. Das Zimmer ist so klein, dass gerade so drei Matratzen hineinpassen. Unsere Mitbewohner sind ein weisser Goldfisch und zwei sehr unerzogene, junge Katzen. Normalerweise fahren wir ein Stunde lang mit dem Auto zur Musikschule, im Feierabendverkehr von Sao Paulo haben wir aber auch schon drei Stunden gebraucht.
Da Autos mit bestimmten Kennzeichen hier an bestimmten Tagen nicht zwischen 7 und 20 Uhr fahren duerfen, mussten wir heute schon um fuenf Uhr aufstehen, um noch rechzeitig bei der Musikschule zu sein.
Am liebsten essen wir das leckere brasilanische Obst, das wir gestern in grossen Mengen im Supermarkt gekauft haben.

Julia Gabel, Flöte
Nora Stahl, Fagott
Sonja Doerner, Flöte

Unser zweiter Tag in Brasilien:

JuSO & Fundacao in XXL-Besetzung!Nachdem wir unsere erste Nacht bei den Gastfamilien verbracht und mehr oder weniger gut geschlafen hatten, standen wir morgens wieder in der Musikschule bereit, gespannt auf unseren ersten Workshop in brasilianischer Musik. In die einzelnen Stimmgruppen aufgeteilt, durften wir ein Streichorchesterstück, sowie verschiedene Bläserensembles einstudieren. Währenddessen konnten die Brasilianer an Meisterkursen bei unseren Begleitlehrern teilnehmen. Zum Mittagessen gingen wir in eine nahegelegene Kantine, in der die Eltern unserer Gastgeber für uns kochten.
Am Nachmittag haben beide Orchester zusammen die fünfte Sinfonie von Beethoven geprobt. Das brasilianische Orchester probt sonst zwei mal in der Woche und besteht aus Musikern im Alter von 13 bis 45 Jahren. Für uns war es ungewohnt, dass die Probe in einem nach aussen offenen Raum stattfand, sodass man unsere Musik auf der Strasse hoeren konnte und Vorbeilaufende kurz zum Zuhoeren hereinkamen. Obwohl es nicht einfach ist, sich mit ihnen zu verständigen, ist es mit den Brasilianern immer lustig.
Da die Temperaturen hier fuer uns sehr angenehm sind, merken wir immer erst abends plötzlich wieder, dass es eigentlich Winter ist, weil es schon um sechs Uhr abends dunkel wird. Deshalb schafften es die Meisten wieder nicht, abends noch lange wach zu bleiben.”

Aloni berichtet über sein Gastgeber

Da die Erlebnisse und Erfahrungen, die wir in den Gastfamilien machen, sehr unterschiedlich sind, werden wir hier jeden Tag ein Orchestermitglied berichten lassen.

“Mein Gastgeber und ich kannten uns schon über Facebook, doch nun trafen wir uns zum ersten Mal “wirklich”. Nach dem sehr schönen und tollen Empfang ging es auch schon nach Hause, zu Cassiano. Er wohnt in Sao Bernardo do Campo, in einer ruhigen und schönen Strasse. Das Appartment im zehnstöckigen Haus ist wie man so schön sagt klein, aber fein. Es wohnen dort Cassiano, sein Bruder und die Frau seines Bruders sowie die nettesten Katzen, die ich kenne. Man sieht, dass Musik eine grosse Rolle im Leben der drei spielt. Ein Klavier, eine Gitarre, ein Cello und ein Mischpult am Computer sind die Instrumente im Haus. Abends wird gerne gesungen, so auch am ersten Abend, als noch andere Orchestermitglieder zu Besuch waren.
Ich freue mich sehr, bei Cassiano wohnen zu duerfen.


–  Aloni Bindes, Violine

Unser erster Tag in Brasilien

Die Sonne war gerade aufgegangen und schien rot leuchtend durch einige Palmen und den Dunst über Sao Paulo durch. Dieses tolle Blick war der erste Eindruck, den wir von Brasilien bekamen, als wir noch sehr müde aus dem Flughafen kamen.
Weil die Busse, die uns nach Sao Paulo nehmen sollten, etwas zu klein für unser Gepäck und die Celli waren, verliessen wir den Flughafen etwas später als geplant. Dann fuhren wir quer durch grösste Stadt Brasiliens. Wir stiegen bei einer Art Markthalle aus, um zum ersten Mal brasilianisches Obst zu essen und spazierten ein wenig durch einen Park. Unzählige Hochhäuser, aber auch ein- und zweistoeckige Gebäude sowie Obdachlose und Strassenverkäufer praegen das Bild von Sao Paulo.
Inzwischen war es ziemlich warm geworden: Eine Leuchtanzeige sprach von 28° C – nach Winter hat es sich jedenfalls fuer uns nicht angefuehlt.
Nach einem ausgiebigen “All you can eat” Mittagessen fuhren wir weiter nach Sao Caetano. Dort empfieng uns das brasilianische Orchester mir einem kleinen Konzert und wir konnten sofort die Energie und Fröhlichkeit der Brasilaner spüren. Den Abend verbrachte dann jeder zusammen mit seiner Gastfamilie und konnte mit ihnen zusammen Stadt und Leute kennen lernen. Die meisten fiehlen allerdings schon früh ins Bett, immerhin hatten wir fünf Stunden Jetlag zu bewaeltigen.