Mehr als 250 Menschen kamen in die Staatsgalerie Stuttgart, um an einer Diskussionsrunde der Reihe „Über Kunst“ teilzunehmen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie es mit dem Projekt KunstLänd weitergeht. Auf der Bühne saßen Wissenschaftsministerin Petra Olschowski, Museumsdirektorin Stefanie Patruno und Galerist Kay Kromeier. Die Moderation übernahm Nikolai B. Forstbauer.
Inhaltsverzeichnis:
- Petra Olschowski und die finanzielle Lage
- Debatten um Gesellschaft und Politik
- Stefanie Patruno und die Rolle der Netzwerke
- Kay Kromeier und die Lage der Galerien
- Blick in die Zukunft
Petra Olschowski und die finanzielle Lage
Petra Olschowski machte deutlich, dass die finanzielle Situation angespannt ist. Sie sprach von bevorstehenden Einschnitten, die nicht nur schwierig, sondern auch schmerzhaft sein werden. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, betonte sie die Notwendigkeit neuer Strukturen und Strategien.
Sie verwies auf konkrete Beispiele:
- In Karlsruhe laufen bereits drei große Sanierungen am Staatstheater, am Landesmuseum und an der Kunsthalle.
- In Stuttgart steht die Sanierung des Stirling-Baus der Staatsgalerie noch aus.
Als mögliche Lösungen nannte sie Kooperationen zwischen Institutionen. So sieht sie Chancen durch die Nutzung der Räume des Zentrums für Kunst und Medien in Karlsruhe oder durch die Zusammenarbeit mit dem Kunstgebäude in Stuttgart.
Debatten um Gesellschaft und Politik
Olschowski erinnerte an die Pandemiezeit, in der die Gesellschaft ihre Unterstützung für Kultur klar gezeigt habe. Heute vermisst sie ein solches Bekenntnis. Sie kritisierte, dass das Sondervermögen 2025 Investitionen in viele Bereiche vorsieht, jedoch nicht in Kunst und Kultur. Ihrer Einschätzung nach fehlt eine Lobby für diesen Bereich.
Die Ministerin sprach außerdem über die weltpolitische Lage. Sie erwähnte die Folgen des Eklats um die Documenta 15 und die Situation in Russland und den USA. Restriktive Kräfte innerhalb der Demokratien verschärften die Probleme zusätzlich. Daraus ergeben sich Fragen nach dem Umgang mit Konflikten, die sich im kulturellen Raum widerspiegeln.
Stefanie Patruno und die Rolle der Netzwerke
Stefanie Patruno zeigte sich optimistisch. Sie hob hervor, dass der Südwesten über eine gut vernetzte Kulturlandschaft verfügt. Sie betonte jedoch, dass Resilienz nicht statisch ist. Anpassungen seien deshalb notwendig.
Ihr Blick richtet sich auf die enge Zusammenarbeit der Institutionen. Diese ermögliche es, flexibel auf Herausforderungen zu reagieren. Für sie ist Vernetzung ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Kultur im Land.
Kay Kromeier und die Lage der Galerien
Kay Kromeier teilte ebenfalls eine positive Sicht. Er unterstrich, dass Kunst nur vor Ort erlebt werden kann. Galerien seien Berater sowohl für Künstler als auch für Sammler. Veranstaltungen wie der Galerienrundgang Art Alarm in Stuttgart schaffen dabei Öffentlichkeit. An zwei Tagen präsentieren 22 Privatgalerien zeitgenössische Kunst, ergänzt durch digitale Straßenkarten und Führungen.
Die Branche hat jedoch mit Rückgängen zu kämpfen. Nach einer Studie des Instituts für Strategieentwicklung sank der Gesamtumsatz der Galerien seit 2020 von 890 auf 600 Millionen Euro. Kromeier warnte, dass eine ganze Generation die Galerien nicht mehr wahrnimmt, wenn diese ihre Präsentationen nicht an neue Anforderungen anpassen.
Blick in die Zukunft
Im März 2026 wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Bis dahin möchte Petra Olschowski die Themen Kunst und Kultur parteiübergreifend stärker ins Bewusstsein rücken. Sie setzt auf private Sammler, da trotz knapper öffentlicher Kassen Vermögen in Deutschland vorhanden ist.
Am Ende des Abends stand ein Bild einer Installation des Künstlerduos Özlem Günyol und Mustafa Kunt. In der Städtischen Galerie Karlsruhe errichten sie eine Kletterwand aus Abgüssen von Denkmälern. Dieses Werk symbolisiert den Aufstieg trotz Bruchstücken der Vergangenheit.
Petra Olschowski, Stefanie Patruno und Kay Kromeier wünschen sich, dass Kunst weiterhin Teil des Alltags bleibt, Strukturen flexibler werden und aktuelle Themen aufgegriffen werden. Olschowski formulierte es so: „Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, den enormen Reichtum, den wir haben, in unserer demokratischen Ordnung, zu verteidigen und zu stärken.“
Quelle: STUTTGARTER ZEITUNG, YouTube, Black Dots White Spots