Bibliothek der Dinge in Stuttgart
Bibliothek der Dinge in Stuttgart, pixabay/Foto illustrativ

Immer mehr Menschen in Stuttgart greifen auf ein innovatives Leihmodell zurück: die Bibliothek der Dinge. Seit rund drei Monaten können dort rund 70 Alltagsgegenstände ausgeliehen werden. Die Nachfrage übertrifft die Erwartungen. Besonders gefragt sind Technik, Kreativgeräte und überraschenderweise auch Wildtierkameras. Die Stadtbibliothek Stuttgart reagiert nun mit ersten Anpassungen am Angebot.

Inhaltsverzeichnis:

Nintendo-Konsole und Wildtierkamera sorgen für Wartezeiten

Die beliebteste Leihgabe in der neuen Bibliothek ist die Spielkonsole Nintendo Switch. Von den drei verfügbaren Geräten waren Ende Juni bereits alle vergeben – mit insgesamt 17 Vormerkungen. Wer heute eine Konsole reserviert, muss mehrere Monate Geduld mitbringen.

Nicht weniger überraschend: Die Wildtierkamera, ein Gerät zur Beobachtung von Tieren in der Natur, hatte zu diesem Zeitpunkt 10 Vormerkungen. Auch die elektrische Töpferscheibe liegt im Trend. Sie war dreifach vorgemerkt. Maggie Helmut, eine Mitarbeiterin der Stadtbibliothek, berichtet von leuchtenden Augen bei der Abholung: Das Töpfern erlebt offenbar ein kleines Comeback.

Weniger gefragt ist aktuell die Lawinensonde. Bisher wurde sie nicht ein einziges Mal ausgeliehen. Laut Bibliotheksteam liegt das vor allem an der Jahreszeit – in den Sommermonaten ist der Bedarf an Lawinensuchgeräten gering.

70 Gegenstände für den Alltag im Sortiment

Die Bibliothek der Dinge bietet eine breite Auswahl aus 70 verschiedenen Geräten und Objekten. Das Prinzip: Gegenstände, die nur selten gebraucht werden, lassen sich gegen eine geringe Gebühr ausleihen. Pro Leihvorgang werden 2,50 Euro fällig. Die Ausleihdauer beträgt jeweils zwei Monate.

Zu den beliebtesten Objekten gehören:

  • Ein Fotoscanner zum Digitalisieren alter Bilder
  • Sportgeräte und Beamer
  • Die bei Eltern beliebte Hörspielbox Toniebox

Rund 75 Prozent aller Gegenstände waren Ende Juni ausgeliehen. Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Im digitalen Katalog der Stadtbibliothek kann man jederzeit den aktuellen Bestand einsehen.

Die Idee entstand im Gemeinderat

Der Anstoß zur Einrichtung kam von der Puls-Gruppierung im Stuttgarter Gemeinderat. Umgesetzt wurde das Konzept von Maggie Helmut. Für die 22-Jährige war es das erste große Projekt in ihrer beruflichen Laufbahn. Zunächst sammelte sie Vorschläge von Kolleginnen und Kollegen. Einige der genannten Objekte musste sie selbst erst recherchieren.

In die endgültige Auswahl schafften es auch:

  • Ein Heimplanetarium
  • Eine klappbare Multifunktionsschaufel
  • Ein kleines Fußballtor

Bohrmaschinen gehören nicht zum Sortiment. Diese könnten bereits in vielen Baumärkten geliehen werden, so die Begründung. Deshalb habe man sich auf besondere, seltener genutzte Objekte konzentriert.

Umweltaspekt im Fokus

Die Idee, Alltagsgegenstände gemeinsam zu nutzen, basiert auf Nachhaltigkeit. Ein Beispiel: Eine Bohrmaschine wird im Schnitt nur 45 Stunden genutzt – bei einer Lebensdauer von bis zu 20 Jahren. Den Großteil der Zeit liegt sie ungenutzt im Schrank. Diese Zahlen stammen aus einer Studie aus dem Jahr 2000.

Durch das Teilen können viele hundert Stunden Nutzungszeit sinnvoller verteilt werden. Das Modell spart Ressourcen und reduziert Konsum. Vor allem jüngere Nutzerinnen und Nutzer schätzen diesen Ansatz.

Bürger bringen eigene Vorschläge ein

Mehrere Personen haben bereits angeboten, eigene Geräte zu spenden. Das Team der Stadtbibliothek prüft derzeit, ob Sachspenden sinnvoll integriert werden können. Ziel ist es, die Vielfalt weiter auszubauen.

Auch eine Erweiterung der besonders beliebten Objekte ist geplant. So sollen zusätzliche Exemplare der Nintendo Switch angeschafft werden. Damit könnte die Wartezeit für interessierte Nutzer verkürzt werden.

Die Stadtbibliothek Stuttgart beobachtet die Entwicklung genau. Erste Ergebnisse zeigen, dass das Leihmodell auf großes Interesse stößt – und noch Potenzial für weiteres Wachstum bietet.

Quelle: SWR