Frisches Festbier auf dem Cannstatter Wasen
Frisches Festbier auf dem Cannstatter Wasen, Foto: Pixabay

Das Cannstatter Volksfest gilt als eine der größten Veranstaltungen in Baden-Württemberg. Jedes Jahr präsentieren sich hier die Stuttgarter Brauereien mit eigenem Festbier und großem organisatorischem Aufwand. Besucher können nicht nur Fahrgeschäfte erleben, sondern auch Einblicke in die Traditionen des Bierbrauens erhalten.

Inhaltsverzeichnis:

Markus Becke und das Festbier von Hofbräu

Markus Becke, Technischer Leiter bei Stuttgarter Hofbräu, legt großen Wert auf die Qualität des Bieres. Die Brauerei verfügt über einen eigenen Brunnen mit 56 Metern Tiefe, aus dem das Brauwasser stammt. Dieses Wasser enthält viel Calciumsulfat und ist verwandt mit dem Bad Cannstatter Mineralwasser. Der Unterschied liegt im Salzgehalt, der beim Brauwasser deutlich geringer ist.

Das Volksfestbier wird nach altem Rezept im Juli gebraut. Dennoch verändert sich die Zusammensetzung jährlich, da Hopfen und Malz schwankende Eigenschaften haben. Besonders das Karamellmalz unterscheidet es von anderen Sorten. Während im Normalfall nur 5 bis 15 Prozent zugesetzt werden, beträgt der Anteil im Festbier 25 Prozent. Das sorgt für süße Aromen nach Toffee und Honig. Aromahopfen mit Kräuterduft gleicht diese Süße aus.

Dinkelacker-Schwabenbräu und Hofbräu im Wettbewerb

Gerade einmal ein Kilometer trennt die beiden größten Brauereien Dinkelacker-Schwabenbräu und Hofbräu. In Stuttgart konkurrieren sie um Gasthäuser, Bars und Festzelte. Beim Volksfest zeigt sich der Wettbewerb besonders deutlich.

  • Dinkelacker-Schwabenbräu beliefert seine eigenen Zelte und zusätzlich das Göckelesmaier-Zelt mit der Marke Wulle.
  • Hofbräu versorgt vier Festzelte: das eigene, das Zelt von Sonja Merz, das von Nina Renoldi sowie das des Wasenwirts.

Martin Alber, Sprecher der Geschäftsführung bei Hofbräu, erklärt, dass das Festbier nur rund fünf Prozent des jährlichen Gesamtausstoßes ausmacht. Es werden mehrere tausend Hektoliter ausgeschenkt, genaue Zahlen gelten jedoch als Betriebsgeheimnis.

Logistik auf dem Cannstatter Wasen

Der Transport und die Lagerung des Festbieres sind komplex. Hofbräu beliefert das Volksfest mit Tanklastern, die bis zu 100 Hektoliter fassen. Insgesamt beträgt die Kapazität in allen belieferten Zelten 2200 Hektoliter, was 220.000 Maß Bier entspricht.

Drei Teams mit jeweils drei Personen überwachen die Tanks von 21 Uhr bis 11 Uhr am Morgen. Sie prüfen regelmäßig Füllstände, nehmen Proben und sorgen dafür, dass die Temperatur bei sieben bis acht Grad bleibt. Zur Standardausrüstung der Mitarbeiter gehört ein Thermometer, mit dem in Kneipen die Serviertemperatur kontrolliert wird.

Neben den Tanks werden auch 50-Liter-Fässer geliefert. Ein Sonderfall ist die Almhütte von Nina Renoldi. Dort wird das Festbier in Zehn-Liter-Fässern direkt auf den Tisch gestellt. Diese Idee stammt vom Bremer Freimarkt und wurde 2024 durch eine neue Fassabfüllung möglich gemacht.

Flaschen im Retro-Look und Tradition seit den 50er Jahren

Seit einem Jahr gibt es das Volksfestbier auch in Flaschen. Das Etikett wurde im Retro-Stil der 1950er Jahre gestaltet und zeigt heute ein springendes Pferd, die Grabkapelle und die Stiftskirche. Die früheren Motive, wie die Kellnerin oder das Riesenrad, sind verschwunden.

Damit verbindet die Brauerei alte Tradition mit moderner Vermarktung. Das Bier bleibt jedoch frisch und wird speziell für die Zeit des Festes gebraut.

Das 178. Cannstatter Volksfest

Die Eröffnung des Volksfestes erfolgt im Dinkelacker-Zelt um 16 Uhr. Insgesamt sind 300 Betriebe beteiligt.

Öffnungszeiten:

  1. Montag bis Donnerstag: 12 bis 23 Uhr
  2. Freitag und Donnerstag, 2. Oktober: 12 bis 24 Uhr
  3. Samstag und Freitag, 3. Oktober: 11 bis 24 Uhr
  4. Sonntag: 11 bis 23 Uhr

Das Volksfest läuft bis zum 12. Oktober und zeigt eindrucksvoll, wie tief die Bierkultur in Stuttgart verwurzelt ist.

Quelle: STUTTGARTER ZEITUNG, YouTube, Travel Stuttgart